Vortrag von Rudi Werel zum 120 jährigen Jubiläum der Lyra

Hallo verehrte Gäste, liebe Sangesfreunde!

Der Gesangverein Könen feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag. An einem solchen Jubiläum ist es nun einmal üblich, dass man einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte macht. Der Vorstand hat mich daher gebeten einmal einen kurzen Rückblick zu machen, dem ich hiermit gerne nachkommen will. Die Betonung liegt hier auf kurz; obwohl dies bei 120 Jahren doch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen kann. Ich werde mich aber bemühen, Ihre Aufmerksamkeit nicht über die Maße zu strapazieren. Wer aber eine umfangreichere Darstellung wünscht, kann diese auf der Internetseite des Vereins gerne nachlesen.

Wenn man die Entstehung und Entwicklung unseres Vereins Revue passieren lässt, ist man durchaus versucht, die einzelnen Abschnitte mit denen eines menschlichen Lebensablaufes zu vergleichen.
Da sind einmal die Geburt bzw. die Entstehung des Vereins!
Hier kann man feststellen, dass es sich um eine schwierige Geburt gehandelt hat; der Verein ist nämlich aus 2 selbständigen Vereinen entstanden.
Nach mehreren bescheidenen Versuchen verschiedener Gesangsgruppen zwischen 1890 und 1898 wurde im Jahre 1898 aus einer Gesangsgruppe des sog. Kriegervereins der „Männergesangverein Könen“ gegründet indem man sich eine Satzung gab und den Verein anmeldete. Dies kann also als die Geburtsstunde des heutigen Vereins angesehen werden.
Während des 1. Weltkrieges von 1914 bis 1918 ruhte dann die aktive Tätigkeit des Vereins. Aber bereits ein Jahr nach Kriegsende wurde das Vereinsleben wieder aktiviert. Die musikalische Leitung übernahm wieder Nikolaus Rohles, der den Dirigentenstab ein Jahr später, 1920, an seinen Sohn Josef Rohles (den älteren Anwesenden auch als Krampen Jupp bekannt) weitergab.
Im gleichen Jahr, 1920, wurde ein Mandolinenclub ins Leben gerufen, aus dem dann ein neuer Gesangverein, der Quartettverein „Lyra“ entstand. Die Leitung übernahm Franz Greif (den älteren Anwesenden auch als Lochensen Frenz bekannt). Dieser Verein hatte auch noch ein Bläserkorps, eine Streichkapelle und einen gemischten Chor.

Bis 1933 bestanden also in Könen 2 Gesangvereine, die sehr erfolgreich wirkten und gute Erfolge bei den damals üblichen Gesangswettstreiten und Wertungssingen erzielten.
Im Jahre 1933 schlossen sich beide Vereine auf höhere beiden Namen und der Verein nannte sich fortan „Gesangverein „Lyra“ 1898 Könen“. Als Dirigent wurde Franz Greif bestellt.
Damit war die Geburtsphase praktisch abgeschlossen und es schloss sich die Phase der Jugend und des Erwachsenseins an, um wieder auf den Vergleich mit einem menschlichen Lebensablauf zurückzukommen.
Während des 2. Weltkrieges von 1939 bis 1945 und auch während der Zeit des Wiederaufbaues danach, musste wiederum jegliche Sangestätigkeit eingestellt werden. Erst im Jahre 1949 wurde der alte Gesangverein „Lyra“ wieder zum Leben erweckt. Franz Greif stellte sich auch wieder als Dirigent in den Dienst des Vereins. Er leitete den Chor bis 1970 und übergab den Dirigentenstab nach über 50-jähriger sehr erfolgreicher Chorleitertätigkeit, u.a. auch mit seiner „Chorgruppe Greif“, an Josef Hoff.
Die Zeit unter Josef Hoff kann man als die Blütezeit des Vereins bezeichnen. Die Zahl der Sänger nahm erheblich zu und damit auch die Leistungsfähigkeit des Vereins. Es entstand auch die „Chorgruppe Hoff“, die sich aus den Männerchören Könen, Wawern, Sängervereinigung Konz und dem Chor des Eisenbahnausbesserungswerkes Trier-West zusammensetzte. Sowohl die jeweiligen Chöre selbst als auch die Chorgruppe wirkten sehr erfolgreich.
Zu erwähnen sind folgende bemerkenswerte Veranstaltungen:
– Die geistlichen Konzerte mit Orchester und Solisten in den Pfarrkirchen Könen und Konz St. Nikolaus, wo Josef Hoff auch Organist und Leiter des Kirchenchores war
-Das Konzert zum 25. Dirigentenjubiläums von Josef Hoff im Saal der KuaG Konz
– Verschiedene Veranstaltungen im Saal des AW Trier-West
– Mehrere mehrtägige Vereinsfahrten des Gesangvereins Könen
Von einer Vereinsfahrt darf ich noch eine kleine Episode erzählen. Bei einem Zwischenaufenthalt in Bad Buchau am Federsee war unser damaliger Vorsitzender plötzlich nach einem Toilettenbesuch spurlos verschwunden. Der anfängliche Verdacht, er habe sich vielleicht selbst abgespült, stellte sich aber wegen der zu engen Abflussöffnung als unmöglich heraus. Es bestand schließlich noch die Möglichkeit, dass er sich im umfangreichen Schilfgelände des Federsees verirrt hat. Da wir aber unsere Reise nicht kopf- und führungslos fortsetzen wollten, wurde ein Suchtrupp zusammengestellt, der ihn schließlich in dem angrenzenden „sehr großen“ Kurpark fand, in dem er sich verirrt hatte.
Schließlich dürfen die jährlichen Familienabende des Vereins mit ihren überaus ansprechenden Programmen nicht unerwähnt bleiben. Außerdem ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die Sängerfrauen lange Zeit sehr eng in das Vereinsleben eingebunden waren und sich jedes Jahr sehr engagiert an der Programmgestaltung der einzelnen Veranstaltungen beteiligten. Die sogenannten „Wingertshexen“ mit ihrer Oberhexe als Initiatorin, brachten es sogar mit einem Beitrag bis ins Fernsehen.

Im Jahr 1998 wurde dem Verein aus Anlass des 100-jährigen Bestehens die Zelter-Plakette verliehen. Die Zelter-Plakette ist die höchste Auszeichnung für Amateurchöre. Sie wurde am 06.08.1956 von dem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet.
Professor Carl Friedrich Zelter war ein deutscher Musiker, Musikpädagoge und Komponist. Er lebte Ende des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts und war ein enger Freund Goethes. Zelter gilt als Förderer des mehrstimmigen Männerchorgesanges.

Im Jahr 2002 musste Josef Hoff nach 32-jährigem sehr erfolgreichem Wirken seine Chorleitertätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
Damit, kann man sagen, wieder bezogen auf den menschlichen Lebensablauf, dass das Rentenalter des Vereins begonnen hat, zumal auch bereits die Anzahl der Sänger immer weniger geworden war.
Für eine kurze Zwischenzeit hat uns Fred Casagranda, ein Könener Bürger, aus der Verlegenheit geholfen, bis 2003 Lothar Feiber als Dirigent gewonnen werden konnte. Lothar Feiber konnte die bescheidene Zahl der Sänger mit seinem anerkennenswerten Engagement weiterhin bei Laune halten und begeistern. Wie lange er dies noch kann, ist aufgrund des fortschreitenden Alters der Aktiven, sofern sich kein weiterer Nachwuchs einstellt, sicherlich schon berechenbar. Es bleibt aber zu hoffen, dass dies noch nicht so bald Wirklichkeit wird. In Könen würde schließlich im kulturellen Leben eine große Lücke entstehen.
Zum Schluss darf ich mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken.
Konz, 06.09.2018
Rudi Werel

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